Marienkäfer
Marienkäfer kennt wohl jeder und wir wollen uns an dieser etwas ausführlicher mit ihnen beschäftigen. Etwa 100 Arten kommen von dieser Familie in Mitteleuropa vor. Die meisten Arten werden zu den Nützlingen gerechnet. Jede Marienkäferart hat ihre ganz besonderen biologischen und ökologischen Eigenheiten. Viele Arten ernähren sich bevorzugt von Blattläusen, was sie für Gartenbesitzer natürlich sehr interessant macht. Besonders den Siebenpunktkäfer kennt jedes Kind. Liebevoll wird er mit Namen wie ‚Glückskäfer’ oder ‚Herrgottskäfer’ benannt. Übrigens gibt die Anzahl der Punkte auf den Flügeldecken nicht, wie vielfach angenommen, das Alter an, vielmehr handelt es sich hier um eine art- oder variantentypische Körperzeichnung. Das schlägt sich vielfach in der Namensgebung nieder. So heißt unser Glückskäfer, der sieben Punkte aufweist, mit seinem wissenschaftlichen Namen: Coccinella septempunctata, oder auch Coccinella 7- punctata. Weitere wichtige Marienkäferarten sind: Der Zweipunktkäfer (Adalia bipunctata) Der Augenmarienkäfer, der Zehnpunktkäfer, und der Vierzehnpunkt,- sowie der Sechzehnpunkt Käfer und der Zweiundzwanzigpunkt. Die beiden zuletzt genannten Arten haben sich streng auf pilzliche Nahrung spezialisiert und verzehren u.a. Mehltaupilze. Aussehen u. Entwicklung der Marienkäfer: Die Imagines (also die erwachsenen, geschlechtsreifen Tiere) sind je nach Art 1- 12 mm groß. Der Körperbau, hoch-halbkugelig gewölbt, ist uns bestens bekannt. Die Flügeldecken sind lebhaft gefleckt und gefärbt. Bemerkenswert ist das „sich totstellen“ der Marienkäfer bei Gefahr. Sie ziehen Beine und Fühler an den Körper heran, lassen sich fallen und rühren sich nicht mehr. Aus den Kniegelenken scheiden sie zudem eine orange farbene, übelriechende Flüssigkeit aus, die Feinde vertreiben soll (sogenanntes Reflexbluten).
Fortpflanzung:
Nach der Paarung legt das Marienkäferweibchen je nach Art, gelb-orange gefärbte Eier mit einer Größe von 0,4- 2mm ab, sie werden meist gruppenweise zu 10 bis 30 Eier, auf die Blattunterseite, oft in die Nähe von Blattlauskolonien abgelegt. Eine Ausnahme bilden die Arten die sich von Schildläusen ernähren, sie legen ihre Eier einzeln unter die Schilder ihrer Beutetiere. Pro Weibchen können, je nach Marienkäferart, bis zu insgesamt 400 Eier abgelegt werden. Die Larvalentwicklung Aus den Eiern schlüpfen etwa nach 7- 10 Tagen (je nach Klima) die Larven. Alle Larven eines Gelege schlüpfen gleichzeitig. Sie sind länglich blaugrau bis schwarz gefärbt, teilweise farbig gefleckt und haben schwach entwickelte, borstenartige Warzen, je nach Art in Größen von 1-12 mm. Sie durchlaufen vier bis fünf Larvenstadien. Die Larvalentwicklung dauert je nach Art und klimatischen Bedingungen 3-6 Wochen, dann folgt das Puppenstadium. Die Marienkäfer bilden eine sogenannte Mumienpuppe, die Extremitäten liegen hierbei fest am Körper an. Die Verpuppung erfolgt auf Blättern oder an Baumstämmen. Die Puppenruhe dauert je nach Witterung vier bis neun Tage. Die Gesamtentwicklungsdauer der Marienkäfer beträgt also ungefähr ein bis höchstens drei Monate und richtet sich entscheidend nach Witterung und Nahrungsangebot. Die Jungkäfer nehmen erst nach einigen Tagen ihre endgültige Färbung an. Marienkäfer überwintern als Vollinsekt in der Bodenstreu von Hecken, Waldrändern und Böschungen, unter einer Laubdecke, in dichten Grasbüscheln, Lesesteinhaufen, hohlen Stubben u.ä. Pro Jahr bilden sich meist ein bis zwei Generationen aus. Ernährung/ Fraßleistung Die meisten Marienkäferarten zeigen eine räuberische Lebensweise und ernähren sich in allen Stadien von Insekten. Einige Arten sind auf Schildläuse spezialisiert, eine andere Art ernährt sich hauptsächlich von Spinnmilben. Sowohl die Larven als auch die Vollinsekten der meisten Marienkäferarten ernähren sich aber von Blattläusen. Vollentwickelte Larven und Käfer der größeren Arten, wie z. B. der 7-Punkt, können pro Tag bis zu 50 Blattläuse verzehren und so in ihrer mehreren Wochen dauernden Larvenentwicklung 500-800 Blattläuse vertilgen. Die Menge der von Marienkäfer gefressenen Beutetiere hängt sehr von der Witterung (Temperatur) ab. Natürlich beeinflusst auch die Populationsdichte der Beutetiere die Fraßmenge. Bei Nahrungsmangel neigen Marienkäferlarven zu Kannibalismus.
Förderung der Marienkäfer
Marienkäfer brauchen besonders nach der Überwinterung Blattläuse als Nahrung. Es ist also nachteilig, wenn man die ersten Blattläuse, mit welchem Mittel auch immer, sofort rigoros bekämpft. Wichtig sind auch Überwinterungsplätze in Form von hohlen Holzstubben, Totholz- und Lesesteinhaufen. Auch unter der Spreuschicht auf dem Boden und unter Mulchdecken überwintern Marienkäfer. Diesbezüglich macht es, wie auch aus vielen anderen Gründen, keinen Sinn den Gartenboden zum Herbst hin ‚besenrein’ zu machen.