Spinnen (Araneae)
Spinnen sind aufgrund ihres Körperbaus gut von anderen Gliederfüßern
zu unterscheiden. Bei allen Spinnen sind Kopf und Brust zusammen verwachsen
(Kopfbruststück) der Hinterleib ist unsegmentiert. Vorder- und Hinterkörper
sind durch eine sichtbare Einschnürung voneinander abgesetzt. Am Kopfbruststück
sitzen zwei paar Mundwerkzeuge, die Kieferfühler, und die Kiefertaster.
Die Kieferfühler bestehen aus einem massiven Grundglied und aus einer
dünneren Klaue.
Diese Klauen sind die Fangwerkzeuge der Spinnen. Es sind dolchartig gebogene Instrumente, an deren Spitze die Giftdrüsen münden. Die Kiefertaster sind Tastorgane mit denen die Spinnen ihre nähere Umgebung erkunden. Das wesentlichste Merkmal der Spinnen aber ist, dass sie im Gegensatz zu Insekten, die ja bekanntlich sechs Beine haben, acht Beine besitzen, die zu vier Paaren angeordnet, die alle am Vorderkörper sitzen.
Die meisten Spinnen haben acht Augen. Trotzdem ist ihr Sehvermögen relativ gering, sie vermögen gerade hell und dunkel zu unterscheiden. Eine Ausnahme davon bilden die Springspinnen, die ein ausgezeichnetes Sehvermögen haben. Die meisten Menschen stehen den Spinnen mit einem Gemisch von Abscheu, Ekel und Angst oder wenigstens mit einer großen Portion Unsicherheit gegenüber. Die Ursachen hierfür sind rational oft nicht erklärbar. Die Abneigung vieler Menschen gegen Spinnen ist vollkommen unberechtigt. Spinnen sind schüchtern und sensibel. Völlig ruhig sitzen sie die meiste Zeit in irgendeinem Versteck und beobachten ihre Umwelt. Es sind überaus interessante Tiere und es lohnt sehr, sich mit ihnen näher zu beschäftigen. Warum, das wird deutlich, wenn wir uns einmal ihre Hauptnahrung anschauen. Alle Spinnen sind Räuber (Prädatoren), d.h. sie ernähren sich ausschließlich von anderen Tieren. Fliegen, Mücken, Blattläuse und andere kleine Insekten stehen auf ihrem Speiseplan. Spinnen sind also durchweg als nützlich einzustufen.
Bei uns kommen ca. 800 ! Spinnenarten vor. Zu den bekanntesten Spinnen gehören die Radnetzspinnen (auch Kreuzspinnen genannt). 40-50 heimische Arten umfasst diese Familie laut Literaturangaben. Sie alle bauen stabile, kunstvolle Radnetze, mit einer meist geschlossenen Nabe. Besonders die Gartenkreuzspinne mit ihrer typisch kreuzförmigen Zeichnung auf dem Hinterleib, - wohl die bekannteste Art aus der Familie der Radnetzspinnen-, hat jeder sicher schon einmal gesehen. Sie sitzt entweder mit gekreuzten Beinen kopf unter im Netz oder lauert in einem Schlupfwinkel auf ihre Opfer.
Es gibt übrigens auch Arten die ihre Netze waagerecht anlegen, so die
z.B. die an Waldrändern und auf gebüschreichen Wiesen sehr häufig
vorkommende Kürbisspinne, die ihr Netz flach über die Mulde eines
großen Blattes anlegt. Die Kürbisspinne ist mit 5-6mm Körpergröße
recht klein und wird häufig gar nicht wahrgenommen. Interessante Bauwerke
sind auch die Netze der Baldachinspinnen. Es sind kuppelförmige Netze
mit Fangfäden nach oben und einem Deckennetz. Im äußersten
Winkel des Deckennetzes befindet sich ein sackförmiges Wohngespinst,
in dem sich die Spinne in der Regel aufhält. Die „Decke“
ist mit Stolperfäden überzogen, so dass sich die Insekten darauf
nur „watend“ fortbewegen und so von der Spinne leicht erlegt
werden können.
Kugelspinnen sind ebenfalls wahre Baukünstler. Diese meistens sehr kleinen Spinnen, haben einen hochgewölbten kugelförmigen Hinterleib, welcher bei vielen Arten auffällig gemustert ist. Sie spinnen ähnlich wie die Baldachinspinnen, haubenförmige, dreidimensionale Netze, mit denen sie u.a. auch Blattläuse fangen. Kugelspinnen sind neben den Kreuzspinnen die in Obstanlagen am häufigsten anzutreffenden Spinnen.
Viele Spinnenarten, beherrschen die Kunst des Netzbaus nicht oder nur ungenügend.
Sie haben ganz ausgeklügelte Jagdtechniken entwickelt. Da gibt es Arten,
die schleichen sich nachts an ihre Beute um dann blitzschnell zuzupacken.
Tagsüber halten sie sich in sackähnlichen Wohngespinsten, die
sie unter lockerer Baumrinde oder ähnlichen Verstecken anlegen, verborgen.
Sie gehören zur Familie der Sackspinnen.
Krabbenspinnen, sie haben ihren Namen weil sie ähnlich wie Krabben
seitlich und rückwärts laufen können, sitzen tagsüber
farblich gut angepasst auf Blättern, Blüten und Zweigen und warten
bis ein Insekt in ihre Nähe kommt um es dann zu erwischen.
Die sogenannte Veränderliche Krabbenspinne kann wahlweise eine gelbliche,
weiße oder grüne Farbe annehmen und hält sich bevorzugt
auf Blättern und Blüten auf. Andere Arten aus der Familie der
Krabbenspinnen haben eine Grundfärbung entsprechend ihres bevorzugten
Lebensraumes. So gibt es braungefärbte, die auf Bäumen oder auf
dem Boden leben, andere grüngefärbte Arten leben auf Sträuchern
oder Laubbäumen, bunte Arten auf Blüten. Laufspinnen bauen ebenfalls
keine Netze. Sie sind sehr flinke, frei jagende Spinnen. Sie haben einen
abgeflachten Körper und seitlich deutlich abgewinkelte, gleichmäßig
geformte Beine. Man findet sie in der niederen Krautschicht wie auch auf
Sträuchern und Bäumen.
Springspinnen (auch Hüpfspinnen genannt) schleichen sich an ihre
Beute heran wie Katzen.
Das Opfer wird im Sprung erjagt. Dabei sind sie immer mit einem Faden
verbunden, der sie bei Fehlsprüngen sichert.
Abschließend noch ein Hinweis zu unseren Hausspinnen, die zur Familie der Trichterspinnen gehören. Sie bauen dicht gewebte, flache Decken- bzw. Trichternetze, die über längere Zeit genutzt und immer wieder ausgebessert werden. Sie halten sich in Schuppen, Kellern, Böden und Lauben auf. Wir sollten sie wenigstens dort in Ruhe lassen, denn sie sind ein vorzüglicher Schutz gegenüber „Ungeziefer“ aller Art. Ganz sicher würde keine Hausfrau mit meinem Vorschlag einverstanden sein, Spinnennetze in Wohnräumen zu dulden, aber keine Mücke würde sie mehr stören. In den mohammedanischen Ländern ist die Spinne heilig. Ein Spinnennetz schützte Mohammed vor seinen Verfolgern, als er in einer Höhle Zuflucht suchte. Sie wähnten wegen des Netzes die Höhle für unbewohnbar und zogen weiter.
Förderung von Spinnen
Spinnen zu fördern ist einfach, denn wir brauchen ihnen keine aufwendigen
Nisthilfen anbieten. Was sie am meisten brauchen ist Ruhe. Ruhe um zu beobachten
und Ruhe um jagen zu können. Etwas Wildnis, vielleicht noch eine begrünte
Wand, ein kleiner Steinhaufen und ein Holzstapel sind einfach anzulegen.
Wichtig ist noch, dass Buschgruppen und höhere Stauden, besonders auch
im Herbst für den Bau der Fangnetze da sind. Immer aber ist Ruhe die
entscheidende Voraussetzung. Denn aus Sicht der Spinnen „spinnen“
all diejenigen, die mit Getrampel, Schere, Häcksler oder Rasentrimmer
„irgendwelche sauberen Sachen“ gestalten und dadurch ihre Jagdgründe
zerstören.
Abbildung: Halmstrukturen bis weit in den Herbst hinein erhalten. Eine einfache Möglichkeit zur Spinnenförderung.
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